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Glut des Glaubens

Wie gelingt es, die Glut unseres Glaubens, die so oft von der Asche des Alltags verdeckt wird, neu zum Lodern zu bringen?
Wie gelingt uns in Kirche und Gesellschaft ein Blick nach vorne, eine Perspektive des Frühlings?

Erzbischof Robert Zollitsch

Papst Benedikt im Dialog (2)

Dr. Peter Wolf: begeistert – stolz – überwältigend

 

Von der Rede unseres Papstes vor dem Deutschen Bundestag bin ich nach wie vor richtig begeistert, ja sogar stolz auf unseren Papst.
Wenn man dazu nimmt, welche Wand und was für Widerstände im Vorfeld aufgebaut waren, kann man nur sagen, da ist etwas aufgeleuchtet, was das Dunkel einfach überstrahlt und überwunden hat. Aber so strahlend konnte das nicht in 17 Reden weitergehen.

Ich habe mich auch sehr gefreut über die positive Welle von Freude am Glauben, die er in einer Stadt wie Berlin auslösen könnte.
Das ist ein Geschenk, das ist ein Wirken des Geistes Gottes gegen den Ungeist, der gleichzeitig in der Umgebung demonstriert und zelebriert wurde.

Ich habe auch den Eindruck, dass viele Menschen in den neuen Bundesländern nach so viel gegenteiligen Erfahrungen in ihrer Geschichte wirklich diese Stimmung des Papstbesuches in Erfurt und am Marienwallfahrtort im Eichsfeld in sich aufgesogen und daraus neue Kraft geschöpft haben. Dafür allein hätte sich der Papstbesuch gelohnt.

Mit Erfurt und der Begegnung mit der evangelischen Kirche waren Hoffnungen geweckt, die nicht in Erfüllung gingen und Enttäuschungen hinterlassen haben.
Dabei war die Wahl des Ortes mit dem Augustiner-Kloster, wo Luther lebte, und die Bemühung, sogar mehr Zeit dafür zu nehmen, ein wahrhaft positives Zeichen.
Auch ich hätte mir sehr gewünscht, dass unser Papst als großer Theologe und als Mann aus Deutschland eine Initiative im Blick auf das bevorstehende Lutherjubiläum gesetzt hätte, wie z.B. die Aufforderung zur theologischen Aufarbeitung der Fragen um das noch trennende Kirchen- und Amtsverständnis.

Ich verstehe und teile besonders die Enttäuschung im Kontext der Frage um den Umgang mit den Geschieden-Wiederverheiraten Diese Not stand so deutlich im Raum, dass ein Übergehen ohne Erwähnung Unverständnis hervorgerufen hat.
Sogar der Bundespräsident und der Vorsitzende der Bischofskonferenz hatten diese Sorge ins Wort gebracht.
Das ist nicht die Stimmung einer Minderheit oder einer aggressiven Presse. Mir tut es leid, dass dadurch bei vielen eine Einschätzung der Ängstlichkeit auf Seiten unseres Heiligen Vaters entstanden ist.

In Freiburg habe ich die große Messe am Sonntagmorgen erleben dürfen. Es war für mich überwältigend, wie viele Menschen sich da auf den Weg gemacht und wirklich Gottesdienst gefeiert haben. Ich habe mich an der großen Liturgie gefreut, die durchaus Stil hatte und durch musikalisch hohe Qualität und Reichtum beeindruckte.
Wie in Berlin war auch hier eine gute Konzentration auf das Evangelium im Sinne einer Homilie (nicht einer Rede) gelungen.

Eine Rede erwartete ich mit vielen bei der Schlussveranstaltung im Konzerthaus. 1300 geladene Gäste aus ganz Deutschland waren zusammengekommen und in gespannter Erwartung. Mich beeindruckte auch, wie es unserem Erzbischof Robert erneut gelang, die Gäste auf eine ganz gute und wertschätzende Weise zu begrüßen und dem Heiligen Vater zuzuführen. Nach wunderbarer Musik kam dann die Rede des Heiligen Vaters, die im Nachhinein recht unterschiedliches Echo findet. Im Laufe dieser Veranstaltung ist der Heilige Vater zweimal fast gestürzt. Ich hatte geradezu ein wenig Angst um ihn. In dieser Rede ging es stark um das Kirchenbild, um Kirche und Gesellschaft, um das Ineinander von Kirche und Welt. Besonders das Wort von der “Entweltlichung” der Kirche hat im Nachhinein Unruhe und Unsicherheit gestiftet. Mit manchen aus unserer Bewegung hätte ich mir gewünscht, dass die Vision Pater Kentenichs von der Kirche als “Seele der künftigen Weltkultur” am Ende gestanden hätte.
Aber vielleicht sollte für uns auch klar werden, dass wir zu dem vielen, was der Heilige Vater gebracht hat, auch noch etwas von unserem „Vater Kentenich“ dazu legen können und sollen für die Zukunft der Kirche in unserem Land.

Beim Abschiedswort in Lahr auf dem Flugplatz ist fast versteckt eine kleine Passage, die uns und den Bewegungen und allen, die in den Gemeinden auf lebendige Kreise hinarbeiten, Mut für die Zukunft machen kann: “Ich möchte die Kirche in Deutschland ermutigen, mit Kraft und Zuversicht den Weg des Glaubens weiterzugehen, der Menschen dazu führt, zu den Wurzeln, zum wesentlichen Kern der Frohbotschaft Christi zurückzukehren. Es wird kleine Gemeinschaften von Glaubenden geben – und es gibt sie schon –, die in die pluralistische Gesellschaft mit ihrer Begeisterung hineinstrahlen und andere neugierig machen, nach dem Licht zu suchen, das Leben in Fülle schenkt”.

Lasst uns austauschen und zusammenlegen, was dieser Papstbesuch in uns ausgelöst hat.

Aktualisiert am 29. September 2011

Ein Kommentar

  1. >> Kommentar lesen

    Ich habe den Papst als Gottsucher erlebt, der uns mit auf diese Gottsuche nehmen will. Als ich die Rede im Konzertsaal zum ersten Mal hörte, war ich sehr begeistert, vor allem auch von dem Gedanken des Austausches: Wir geben Gott unsere schwachen Hände, und er schenkt sich uns.

    Überrascht war ich über die Kritik aus den eigenen Reihen, vor allem um die „Privilegien“. Sind wir (bin ich) zu sehr eingerichtet, verbürgerlicht? Verunsichert uns der Papst dadurch?

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