Süd-Skizze zur Stadtkirche Heidelberg
14 Pfarreien hat Heidelberg. Aus ihnen soll bis 2015 eine einzige Kirchengemeinde werden: die Stadtkirche Heidelberg. So die Planung. Darauf arbeiten verschiedene Gremien hin. Die folgende „Südskizze“ ist ein Beitrag der Pfarrgemeinderäte der drei Apostelgemeinden des Heidelberger Südens: St. Peter, St. Paul und St. Johannes. ii
- Die Stadtkirche und ihre Pfarreien
Diese Skizze strukturiert die Stadtkirche und ihre Pfarreien nach den Prinzipien der Subsidiarität und der Solidarität.
Subsidiaritätiii bedeutet, dass die Pfarreien so viel Kompetenz und Zuständigkeit, Freiheit und Selbstständigkeit wie möglich bewahren. Die Stadtkirche fördert einerseits die Eigenverantwortung und Eigeninitiative der Pfarreien. Wo die Pfarreien Hilfe brauchen, hilft die Stadtkirche.Das Leben der Kirche spielt sich personen- und ortsnah ab. iv
Die Solidarität gründet in der Überzeugung, dass wir als Christen der Stadt Heidelberg zusammengehören. Wenn wir unsere Fähigkeiten und Kräfte bündeln, können wir gemeinsame Ziele verwirklichen. Solidarität verpflichtet die Pfarreien, füreinander einzustehen. “
- Die Stadtkirche
Zu den Strukturen, Einrichtungen und Bestimmungen der Stadtkirche – wie Stadt-Pfarrgemeinderat, Stadt-Stiftungsrat, Vorstand, Leiter, Hauptamtlichenteam – liegen Vorschläge der Lenkungsgruppe vor. Außerdem ein Konzept von Norbert Frank vom 16. 5. 2011
- Die Pfarreien
Die Stadtkirche baut sich aufv aus den derzeit 14 Pfarreien Heidelbergs und Eppelheims.
Ihre Zahl, ihre gegenseitige Zuordnung aber auch ihre internen Strukturen sind in einem starken Wandel begriffen. viWer gehört zu einer Pfarrei?
Die große Mehrheit der Getauften lebt in Distanz zur Kirche. Sie fühlen sich einer Pfarrei nicht dadurch zugehörig, dass sie in den Straßen wohnen, die zur Pfarrei gehören. Umso wichtiger werden die Elemente, die eine innere Bindung an die Pfarrei bewirken: vii
- Das Kirchengebäude, das sie mit emotionalen Ereignissen (wie Taufe, Trauung, Tod, aber auch Weihnachten, besondere Segnungen) verbinden. Meist wird es die Kirche sein, in deren Nähe sie wohnen und die ihnen ein Ort der Beheimatung ist.
- Die Menschen, die sie als Nachbarn kennen, denen sie sich als Stadtteilbewohner zugehörig fühlen; besonders Gemeindemitglieder, zu denen sie persönlich Beziehung haben.
- Für alle, die regelmäßigviii die Eucharistie mitfeiern, wird es die Kirche und Gottesdienstgemeinde sein, in der sie in der Regel an der Eucharistie teilnehmen.
Zu einer Pfarrei gehört, wer in ihrem Bereich wohnt oder wer de facto oder nach eigener Wahl einer Pfarrei sich anschließt, in ihr mitarbeitet, ihre Dienste in Anspruch nimmt. Dieser Zugehörigkeit ist fließend.Die Dienste der Pfarrei
Der Lebensmittelpunkt der Pfarrei ist die sonntägliche Feier der Eucharistie. Sie stiftet und bewahrt ihre Einheit. Sie wird durch das Priesterteam garantiert.ix
In den Pfarreien ist die katholische Kirche ansprechbar vor Ortx . Sie gewährleisten das sakramentale Leben. Sie sichern die Kontinuität und bewahren lebendige Traditionenxi.
Die Pfarrei lebt vom Engagement der Getauften und Gefirmtenxii.
Christliches Leben ist bedingt durch personale Nähexiii . Seelsorge kann nur geschehen durch Vertrauen, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit.
(Beschluss)
Jede Pfarrei muss wissen, wer „ihr Pfarrer“ ist und welcher hauptberuflich Mitarbeitende für sie da istxiv. - Die Gemeinden
Die Stadtkirche Heidelberg ist ein Netzwerk von Gemeinden Getaufter und Gefirmter.
Der Begriff „Gemeinde“ wird meist gleichgesetzt mit Gottesdienstgemeinde oder Pfarrgemeinde. Im Unterschied dazu bezeichnen die Leitlinien der Erzdiözese Freiburg z.B. einen Bibel- oder Familienkreis, eine Caritas- oder Seniorengruppe als Gemeinde. Zu den Gemeinden der Stadtkirche Heidelberg gehören Verbände, Klinik- und Hochschulgemeinden, neue geistliche Gemeinschaften, das Kloster.xvNeben diesen längst bekannten und anerkannten Gemeinden entstehen seit einiger Zeit – und diese Entwicklung dürfte sich verstärken – neuartige Zusammenschlüsse.xvi
„Gemeinschaften unterschiedlichster Art, die als ‚Orte gelebten Glaubens‘ oder als Biotope gelebter Christlichkeit‘ erfahren werden“ bilden die Gemeinden. Wir wollen „diese verschiedenen Sozialformen gelebten Glaubens‘ weiter … fördern, als Knotenpunkte eines Netzwerkes … verstehen.“xvii.
Gewährleisten die Pfarreien Kontinuität und Verlässlichkeit, so sorgen die Gemeinden für Gemeinschaft und Lebendigkeitxviii. Die Gemeinden werden die Zukunftsfähigkeit und Lebenskraft der Stadtkirche Heidelberg ausmachen.
Durch die Gemeinden wird die Kirche anschlussfähig an die postmoderne Gesellschaft der Stadt:
- In ihnen kann der Pluralismus des Christlichen und die Vielfalt der Spiritualitäten gelebt werden; sie können ökumenisch sein.
- Der Bereich der Gemeinden bietet den Freiraum für neu entstehende Initiativen und Zusammenschlüsse; sie können für eine begrenzte Zeit oder auf Dauer bestehen.
- Die Gemeinden haben weitgehend Freiheit in der Art und Gestaltung ihres Gemeinschaftlebens und ihrer Leitungxix.
Gemeinden kann es innerhalb einer Pfarrei wie auch über die Pfarreien hinaus, also innerhalb der gesamten Stadtkirche geben.
Wie ist bei der großen Freiheit der Gemeinden deren Einbindung und gegenseitige Vernetzung möglich?a. geistlich durch die Eucharistie. Es ist gewünscht, dass sich die Gemeinden nach Möglichkeit im Sinne der „tätigen Teilnahme“ (Konzil) einem Ort der Eucharistie und der dortigen Gottesdienstgemeinde zuordnen, damit die Eucharistie ihre einheitsstiftende Wirkung in unserer Stadtkirche entfalten kann.
b. Vorschlag: Die Gemeinden sind eingeladen, ein „Netzwerk Gemeinden“ xx zu bilden. Dies trifft sich in regelmäßigen Abständen zum gegenseitigen Kennenlernen, zum Austausch, zu gemeinsamen Initiativen innerhalb der Stadtkirche.xxi
Sie „wählen aus ihrer Gruppe Vertreter/innen in den Stadt-PGR (ähnlich wie Verbände in den Dekanatsrat)“xxii - Die Gemeindeteamsxxiii
Gelebt und wirksam wird die Kirche vor allem durch das Engagement der Getauften und Gefirmten , insbesondere, wenn dies in Gemeinschaft geschieht.
(Beschluss)
Das erfordert, dass alle, die sich freiwillig kirchlich engagieren,
- nur wo unbedingt nötig von Entscheidungen anderer abhängig sind, sondern möglichst eigenverantwortlich, selbstständig und mit eigenen Initiativen handeln können,xxv
- nicht dort eingesetzt werden, wo gerade jemand gebraucht wird, sondern sich so einsetzen, wie es ihren Neigungen und Fähigkeiten und damit ihren „Geistesgaben“ und ihrer „Berufung“ entspricht;
- nicht überfordert werden oder sich selbst überfordern, sondern selbst das Maß und die Grenzen ihres Tuns bestimmen.(Beschluss)
In jeder Pfarrei bildet sich ein Gemeindeteam. In ihm sind vertreten:
Personen, Gruppen und Initiativen, welche die Grunddienste der Kirche wahrnehmen:
- die Gemeinschaftsbildung, das Miteinander und die Vernetzung (koinonia)
- die Glaubensvermittlung: Sakramentenkatechese, Sorge für Lebendigkeit und Wachstum des Glaubens, Erstevangelisierung. (martyria)
- die Liturgie: Sorge, dass die eigene Kirche ein Ort des Gebetes und verschiedener gemeinsamer Gottesdienst bleibt. xxvi (leiturgia)
- der Geschwisterdienst (diakonia)(Beschluss)
Dabei ist möglichst sicherzustellen, dass für jeden der Grunddienste eine zuständige Person benannt bzw. gewählt wird. Die Zuständigen sind für ihren Bereich verantwortlich, sie koordinieren, animieren, gewinnen Mitarbeitende, sind Ansprechpartner und vernetzen mit anderen Gruppen und Aktivitäten.Dies ist primär Sendung der Getauften und Gefirmten. Die Hauptberuflichen wirken dabei subsidiär mit. Sie sind verantwortlich, dass das Unverzichtbare geschieht – wie z.B. Sakramentenkatechese, Beerdigungen. Darüber hinaus unterstützen und inspirieren sie die Tätigkeiten der Getauften und Gefirmten.
Das Gemeindeteam kann von Pfarrei zu Pfarrei verschiedene Schwerpunkte setzen und unterschiedlich arbeiten je nachdem, welche Aufgaben sich stellen und welche Personen mit welchen Interessen und Fähigkeiten da sind. Es kann und soll nur das und so viel tun, als Kräfte vorhanden sind. Niemand soll überfordert werden.xxvii
(Beschluss)
Da es in den einzelnen Pfarreien sehr unterschiedlich ist, wie viele Personen und Gruppen im Bereich der Grunddienste engagiert sind, sollte die Zahl der Mitglieder des Gemeindeteams nicht einheitlich festgelegt sein xxviii. Zur Einbindung in die Stadtkirche genügt, dass
a. die vom Gemeindeteam gewählte Leitung vom PGR bestätigt wird und
b. eine Person aus dem Seelsorgeteam dazugehört.
c. mindestens eine Person des Gemeindeteams Mitglied im PGR ist.Das Gemeindeteam entscheidet in allem, was die eigene Pfarrei betrifft. In Fragen, die für die ganze Stadtkirche einheitlich geregelt werden müssen, ist es gebunden an Beschlüsse des PGR.
- Die Ressourcen
(Beschluss)
Im Sinne der Subsidiarität ist es notwendig, dass die Sorge um Kirche, Häuser, Vermögen und örtliches Personal – so weit wie in der neuen Struktur möglich – vor Ort wahrgenommen wird. Gerade in diesem Bereich engagieren sich Menschen sehr, weil sie sich mit „ihrer Kirche“ identifizieren, ein großes Verantwortungsbewusstsein haben, nicht selten ihr Herzblut hineingeben. Diese Menschen kann der Stiftungsrat der Stadtkirche beim Umfang seiner Aufgaben nicht ersetzen. Viele Engagierte würden nicht mehr gebraucht, besonders hervorragende Praktiker, denen Gremienarbeit nicht liegt.Für diese ist wichtig, dass sie Verantwortung und Entscheidungsbefugnis haben.
Der Stiftungsrat gibt ihnen deshalb einen großzügigen Rahmen und Haushalt für ihr Engagement.
- Die Hauptberuflichenxxix
Sie sind für die Menschen da, suchen ihre Nähe, orientieren sich in ihrer Pastoral und auch hinsichtlich der Strukturen an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen.
a. Die Priesterxxx und das Priesterteam
(Beschluss)
Der Leiter der Stadtkirche soll nicht Vorsitzender von Verwaltungsgremien sein, damit er die ihm aufgegebene Leitung des seelsorgerlichen Wirkens in der Stadtkirche uneingeschränkt wahrnehmen kann.Die in der Stadtkirche tätigen Priester sollten gleichberechtigte Pfarrer „in solidum“ sein. xxxii
Auch wenn sie den Gläubigen der ganzen Stadtkirche bekannt sein sollten und deshalb hin und wieder in verschiedenen Pfarreien tätig sein können, so sind sie doch primär einer bestimmten Pfarrkirche (in der Regel wohl mehreren) mit der Pfarrei und ihren Gemeinden zugeordnet. Dort leiten sie die eucharistische Versammlung und spenden die Sakramente.
Dabei gilt: Kein Sakrament ohne Verkündigung. xxxiii Kein Sakrament ohne nachhaltige Beziehung. xxxiv Auf diese Weise bleiben die Priester im Umfeld der Sakramente Seelsorger, bauen Gemeinde auf und leiten sie geistlich.b. Die hauptberuflich Mitarbeitenden
Solidarisch mit den Getauften und Gefirmten begleiten sie diese in der Entdeckung und Entfaltung und im Einsatz ihrer Gaben in Familie, Kirche und Gesellschaft. Sie bestärken und inspirieren sie.Sie fördern Zusammenarbeit und Vernetzung.
Sie nehmen Leitung wahr in Teilbereichen des kirchlichen Lebens, z.B. im Gemeindeteam; in subsidiärer Weise: indem sie andere zur Leitung befähigen und fördern und wo notwendig, selber Leitung übernehmen.Auf diese Weise gestalten sie maßgeblich das Leben in den Pfarreien und in der Stadtkirche.
Sie übernehmen ihrer Eignung und Neigung entsprechend kategoriale Aufgaben. Auf ihre Verortung in den Pfarreien ist zu achten.
Anmerkungen:
i vorgelegt vom Gesamtpfarrgemeinderat der drei Apostelgemeinden
in Heidelberg-Süd
ii Wichtig für das Verständnis:
Drei Arten von Texten sind zu unterscheiden:
- Die fettgedruckten Sätze wurden im Wortlaut vom GesamtPGR am 30. 6. 2011 formuliert und nahezu einstimmig beschlossen. Sie sind eine Eingabe an das Steuerungsteam und an die Mitglieder der AG Pastoral und AG Ressourcen.
- Der Gesamttext ist ein Gesprächsbeitrag des Heidelberger Südens; die Inhalte stehen zur Diskussion.
- Um den Text nicht zu lang werden zu lassen, sind die Begründungen als Endnoten eingefügt. Hier finden sich auch Stimmen derzeit einschlägiger Autoren zu den angesprochenen Fragen.
iii „Man muss darauf achten, dass die kleineren Einheiten überall zum Zug kommen, und zwar nach dem Subsidiaritätsprinzip: Das, was sie leisten können, das sollen sie selber leisten, wo sie Hilfe brauchen, muss die größere Gemeinschaft helfen.“ Kardinal Lehmann, Interview zu seinem 75. Geburtstag
Der Nestor der katholischen Soziallehre, Oswald von Nell-Breuning SJ beschreibt Subsidiarität so: „Das Prinzip proklamiert die Hilfe der Gemeinschaft für ihre Glieder als “Pflicht” (“subsidiarium officium”!) und fordert näherhin, diese Hilfe solle wirklich echte Hilfe, hilfreiche Hilfe ein, dürfe das Glied nicht bevormunden oder entmündigen, solle ihm vielmehr zur vollen Entfaltung seiner gottgeschenkten Anlagen und Kräfte helfen, und darum solle die Hilfe so viel wie möglich Hilfe zur Selbsthilfe sein. Als Zuständigkeitsregel leitet sich daraus das sogenannte “Recht der kleinen Lebenskreise” ab: Was der engere und daher nähere Lebenskreis seinen Gliedern leisten kann, soll der weitere und höhere Lebenskreis (die “höhere Instanz”) ihm nicht entziehen, sondern ihm überlassen und ihm dabei behilflich sein, weil auf diesem Weg dem hilfsbedürftigen Glied mehr Selbstbeteiligung ermöglicht, nicht so viel Fremdhilfe als vielmehr das Höchstmaß an Hilfe zur Selbsthilfe gewährt wird.“ Aus: Stimmen der Zeit 3/1986
iv In Herder Korrespondenz Spezial, 1-2011, Pastoral im Umbau, zieht sich diese Forderung durch die Beiträge der meisten Autoren.
Im Folgenden zitiert: HKS
Für Sabine Demel ist „Kirche vor Ort“ ein Leitwort und bedeutet für sie „Heimatbezogenheit“. HKS S. 13
Jürgen Werbick sieht es unter dem Aspekt des Zeugnisses: „Der Dienst des Zeugnisses geschieht konkret, möglichst im personalen Nahraum, wo Glaubwürdigkeit leibhaft erlebt und befragt werden kann.“ HKS S. 15
Christian Henneke nennt es „lebensraumorientierte Kirche in der Nachbarschaft“. HKS S. 23: „In den Stadtteilen wachsen kleine Gemeindebildungen, die sich Sorgen und Nöte der Menschen vor Ort zu eigen machen.“ HKS S. 20
v Sie sind – in Abwandlung von 1 Petr 2,5 – lebendige Steine eines geistigen Hauses
vi Aus kirchenrechtlicher Sicht (c.515 §1 CIC) ist die Pfarrei eine „primär personale Gemeinschaft“. Das „entscheidende Motiv für die Errichtung, Veränderung oder Aufhebung einer Pfarrei“ ist und muss das sein, „was der Gemeinschaft der Gläubigen dient… Es muss um die Ermöglichung und um die Verbesserung von Lebensräumen zum Glauben und Glaubensräumen zum Leben geben.“ Sabine Demel, HKS S. 11
vii Für Dekan Jung, Mannheim, verbindet sich mit dem Motto des Katholikentages 2012 die Frage: „Wie kann die Kirche den Menschen von heute wieder zur Heimat werden?“ RNZ 22./23. Juni 2011 S. 38
viii „regelmäßig“ hat die Spannbreite von täglich, sonntäglich, weihnachtlich, an Lebenswenden
ix Die Wünsche nach mehreren Eucharistiefeiern zu verschiedenen Zeiten, mit unterschiedlicher Gestaltung, für Zielgruppen wird am Sonntag immer weniger möglich sein. Die eucharistische Einheit aller in der Pfarrei sollte den Vorrang haben. Unterschiedliche Gottesdienstzeiten und Zielgruppengottesdienste sollten auf der Ebene der Stadtkirche berücksichtigt werden.
x „Erkennbarkeit, Erreichbarkeit und Zugänglichkeit sind die notwendigen Kategorien einer Kirche, die, wie sehr zu Recht gefordert wird, vor Ort präsent bleibt, sich aussetzt und anbietet.“und: ‘Pastoral‘ meint „konziliar die kreative, handlungsbezogene Konfrontation von Evangelium und konkreter Existenz an einem konkreten Ort“. Rainer Bucher, HKS S.7
xi Menschen suchen „eine gemeinschaftliche Identität und Zugehörigkeit …, – Heimat in der unruhigen und sich ständig wandelnden Wirklichkeit der Welt, … eine Zuflucht, aber auch ein Ort, an dem Zugang zur Tradition gefunden werden kann.“ Christian Henneke, Glänzende Aussichten S. 242
xii Da „alle Glieder in der Kirche durch die Taufe zur Mitwirkung an der kirchlichen Sendung in Verkündigung, Heiligung und Leitung befähigt und damit auch berechtigt wie verpflichtet sind (cc. 204 §1; 211; 216 CIC) … muss jede Pfarrei so ausgestaltet werden, dass es in ihr eine Vielzahl von Akteuren, Aktivitäten und Aktionsräumen gibt, die nicht nebeneinander existieren, sondern miteinander vernetzt sind und durch mindestens einen Priester zu einer Einheit zusammengeführt werden.“ Sabine Demel HKS S. 11
xiii Das in Heidelberg viel beachtete Beispiel Poitiers: „Im Mittelpunkt steht dabei der Versuch, die gewünschte Nähe zu den Menschen sicherzustellen“. (Klaus Nientiedt, Kopernikanische Wende in der Kirche, Konradsblatt Nr. 23, 2011
xiv Nur so können die negativen Folgen vermieden werden, vor denen der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner vor zwei Jahren in einer Studie über österreichische Pfarrer gewarnt hat:
Die Pfarrer sind nicht grundsätzlich gegen neue größere pastorale Organisationsräume – sie schätzen größere Räume für bestimmte Aufgaben (79 Prozent); zugleich halten sie aber die lokale Gemeinde für unverzichtbar (91 Prozent). In den einzelnen lokalen Gemeinden sollte auch jeden Sonntag Eucharistie gefeiert werden können. Rund zwei Drittel der befragten Pfarrer meinen, dass sich durch die Bildung von größeren Pfarrverbänden die Kirche immer mehr von den Menschen entferne. 100 Prozent der befragten Pfarrer sagten, sie wollten als Pfarrer vor allem Seelsorger sein. Der Wandel im Berufsbild vom Seelsorger zum pastoralen Großraummanager wird von den Pfarrern nicht gesucht und gewünscht, sondern erlitten. Er gilt nicht als Gewinn, sondern als schwerwiegender Verlust, der demotiviert. Zulehner spricht von „dramatischem Ausbluten der Substanz der Pfarrerrolle“
xv M.E. wird sich dieser Begriff von „Gemeinde“ nicht durchsetzen, da er zu sehr von der bisherigen Verwendung des Begriffes abweicht und zu Missverständnissen führt. Sabine Demel schlägt vor, die kleinste Einheit von Gläubigen als „Gruppe“ zu bezeichnen, größere Einheiten von Dauer und „Mehrdimensionalität des christlichen Auftrags“ als „Gemeinschaft“ und von „Gemeinden“ dort zu sprechen, wo mehrere Gemeinschaften vernetzt sind und die drei Grundvollzüge Verkündigung, Heiligung und Diakonie vorhanden sind. HKS S. 13
xvi Im Anschluß an die Überlegungen von Zygmund Bauman von der „verflüssigten Moderne“ spricht Pede Ward von der Entwicklung zur „liquid church“. „Konstitutive Elemente einer solchen dynamischen Kirchenlandschaft sind dann die Vielfalt von Orten des Kircheseins, in denen unterschiedliche Kommunikationsstrukturen und Zugehörigkeiten, unterschiedliche Dichte der Gemeinschaftserfahrung, unterschiedliche Spiritualitätsstile, unterschiedliche Leitungsstrukturen und unterschiedliche Gottesdienstformen nebeneinander stehen.“ Christian Hennecke, a.a.O. S. 241ff
xvii So nach den Pastoralen Leitlinien der Erzdiözese Freiburg 7.1., S. 44f
xviii Zum jeweils Spezifischen von Pfarrei und Gemeinde:
Pfarrei: „Die Kirche braucht … jene Orte, die sie gerade in Neuzeit und Moderne so virtuos bespielt hat, die jetzt aber deutlich an Auszehrung leiden, jene pastoralen Orte, die von traditioneller Gemeinschaftsbildung leben, etwa die Pfarreien.“
Gemeinde: „Der eigenen flüssigen Realität unter liquiden Kontextbedingungen wäre es angemessener, situativ, also im doppelten Index von Ort und Zeit, und dabei aufgabenorientiert zu denken und auf dieser Basis dann flexible Sozialformen seiner selbst zu entwickeln und dies in einem offenen Such- und permanenten Evalutationsprozess.“
Pfarrei + Gemeinden: „Gemeinschaft ist auch im religiösen Feld nirgendwo mehr etwas Vorgegebenes, sondern etwas sich stets neu Bildendes und zu Begründendes, die konkrete Bedeutsamkeit des Glaubens ist auch in den Pfarreien nur in einem offenen Prozess zu entdecken.“ Rainer Bucher, HKS S. 8
xix Zur Fragwürdigkeit einer Pastoral vorgefertigter Pläne und Ziele ist bedenkenswert, was der Philosoph Richard David Precht (im Kontext „Schule“) vertritt: „Normalerweise wird einem das Visionäre … ausgetrieben… Sie haben sich an vorgefertigte Pläne zu halten, zu möglichst hundert Prozent. Sie dürfen nicht … sagen: Ich bin gespannt, was heute herauskommt. Sondern die Ziele müssen sie vorher definieren, und dann kommt es darauf an, dass sie diese Ziele erreichen. Das ist das Gegenteil von dem, was … interessant ist. Ich lerne, wenn meine Neugier gefördert wird. Wenn das Ziel feststeht, kommt es auf mich nicht an.“
xx „Der Anspruch, weiterhin Kirche vor Ort zu sein (das bedeutet Heimatbezogenheit) und zugleich die pastoralen Räume zu weiten, gerät nur dann nicht in Widerspruch, wenn die Pfarrei künftig als ein Netzwerk verstanden wird, das auf die Entwicklung unterschiedlicher Ausdrucksformen des Kircheseins sowie deren Verknüpfung miteinander angelegt ist.“ Sabine Demel HKS S. 13
„Unter den Bedingungen des religiösen Marktes wird die katholische Kirche viele differenzierte, vernetzte und konkurrenzfrei agierende Orte brauchen, wo sie sich ihrer pastoralen Aufgabe, der konkreten und kreativen Konfrontation von Evangelium und Existenz, stellt. Die zentralen Merkmale vernetzter sozialer Strukturen sind die grundsätzliche Gleichrangigkeit der Vernetzungsknoten, die aufgabenbezogene Vernetzungsflexibilität und die weitgehende Vernetzungsautonomie, also das weitreichende Recht der einzelnen Orte, die eigenen Vernetzungsstrukturen selbst zu knüpfen und zu lösen.“ Rainer Bucher, HKS S. 8
xxi„Kirche wird auch morgen (noch) am Ort erfahrbar sein können, wenn die verschiedenen Gemeinschaftsformen des Gottesvolkes bereit und fähig werden, einander zu begegnen, Erfahrungen auszutauschen, einander zu ermutigen, auf den Weg zu helfen und auf dem richtigen Weg zu halten.“ Sabine Demel HKS S. 13
Nach Auffassung von Matthias Sellmann „wird die katholische Kirche viele differenzierte, vernetzte und konkurrenzfrei agierende Orte brauchen.“ „Die zentralen Merkmale vernetzter sozialer Strukturen sind die grundsätzliche Gleichrangigkeit der Vernetzungsknoten, die aufgabenbezogene Vernetzungsflexibilität und die weitgehende Vernetzungsautonomie, also das weitreichende Recht der einzelnen Orte, die eigenen Vernetzungsstrukturen selbst zu knüpfen und zu lösen.“ Rainer Bucher, HKS S. 8f
xxii Aus: „Mögliche Struktur der Stadtkirche HD & Eppelheim“
xxiii Nach der neuen Definition von „Gemeinde“ müsste es hier eigentlich „Pfarreiteam“ heißen.
xxiv Die Bezeichnung „Getaufte und Gefirmte“ ist nicht exklusiv gemeint (dass etwa ein noch nicht Gefirmter sich weniger engagieren könnte); sie will die Befähigung, Berechtigung und Verpflichtung zur Mitwirkung an der Sendung der Kirche betonen. Vgl. Endnote X
xxv „Es ist sicher jedenfalls notwendig, dass man die Ehrenamtlichen anerkennt, dass man jemandem vertrauensvoll eine gewisse Eigenständigkeit einräumt, nicht das er bei allem fragen muss, was er macht, besonders, wenn er schon Kenntnisse hat.“ Kardinal Lehmann, Interview zu seinem 75. Geburtstag
xxvi Zu Beginn des 3. Jahrtausends schlug Papst Johannes Paul II „Schulen des Gebets“ in den Gemeinden vor, wo Bitten und Danken, Anbetung und Betrachtung geschieht; nach Möglichkeit auch Laudes und Vesper. („Novo millenio ineunte“ Nr. 33 und 34)
xxvii „Seelsorge wäre dann nicht mehr überall nach dem gleichen Einheitsmodell zu gestalten und auch nicht mehr überall als Gesamtpaket anzubieten, sondern differenziert nach den konkreten Erfordernissen und den vorhandenen personalen Ressourcen und Kompetenzen.“ Sabine Demel, HKS S. 12
xxviii Im Unterschied zur Konzeption von Norbert Frank: „Das Team setzt sich zusammen aus 3 – 6 (je nach Größe der PG) gewählten Laien und mindestens einem Hauptamtlichen.“
xxix Sabine Demel unterscheidet zwischen „Hirtensorge“ der Priester, die neben der Leitung auch „den religiös-geistlichen Aspekt, Jesus Christus, das Haupt der Kirche, zu vergegenwärtigen“, beinhaltet und der „Seelsorge“, die allen Hauptberuflichen aufgetragen ist. HKS S. 11
xxx Ihnen kommt „die Einheit und Ganzheit des dreifachen Dienstes Jesus Christi (Verkündigung, Heiligung, Leitung) zu.“ Sie „sollen und müssen die mit ihrem Leitungsamt verbundenen Dienste und Ämter nicht alle selbst ausüben, wohl aber sollen und müssen sie für die Gewährleistung, Ausführung, Ordnung und Aufsicht aller einzelnen Dienste und Ämter der Verkündigung, Heiligung und Leitung in ihrem Kompetenzbereich die (Letzt- beziehungsweise Gesamt-) Verantwortung tragen und alle einzelnen Dienste und Ämter zu einer Einheit zusammenführen, wie sie in der Eucharistie als Vorbild, Quelle und Gipfelpunkt sakramental, also wirkmächtig zum Ausdruck kommt.“ Die Priester sollen „die Hirtensorge nicht so verstehen, dass sie alles allein machen wollen, sondern vielmehr so, dass sie als Hirten bei den ihnen anvertrauten Gläubiger möglichst viele Seelsorgstätigkeiten wecken, diese fördern, koordinieren sowie für ihre evangeliumsgemäße Ausrichtung sorgen.“ Sabine Demel, HKS S. 11
xxxi s. Anmerkung 22
xxxii Das Kirchenrecht sieht vor: „Wo die Umstände es erfordern, kann die Hirtensorge für eine oder für verschiedene Pfarreien zugleich mehreren Priestern solidarisch übertragen werden, jedoch mit der Maßgabe, dass einer von ihnen Leiter des seelsorgerlichen Wirkens sein muss, der nämlich die Zusammenarbeit zu leiten und dem Bischof gegenüber zu verantworten hat“ (c 517 §1 CIC). Es handelt sich „um eine Gemeinschaft von gleichberechtigten Priestern in einer Pfarrei. Dabei muss einer dieser Priester die Hirtensorge „leiten“ (lateinisch: moderari) im Sinne von lenken beziehungsweise dirigieren/moderieren… Diese Autonomie in der konkreten Ausgestaltung der Hirtensorge eröffnet die Möglichkeit, dass das Priesterteam die wahrzunehmenden Aufgaben nach örtlichen, sachlichen und persönlichen Gesichtspunkten untereinander aufteilt.“ Sabine Demel HKS S. 12
xxxiii Nicht nur innerhalb der Liturgie, sondern besonders im persönlichen Gespräch, bei dem sie die Biographie der Menschen im Licht des Evangeliums auf das Sakrament hin deuten.
xxxiv Wie den Menschen wichtig ist, wer sie getraut, ihre Kind getauft hat usw., so sollten die Priester sich besonders verbunden wissen mit und zugänglich sein für die Menschen, mit denen sie sakramental in Beziehung getreten sind.
Aktualisiert am 22. Juli 2011


