Papst Benedikt im Dialog
Kurt Faulhaber: Am Ende des Besuchs
von Papst Benedikt bin ich bewegt
- von seiner Persönlichkeit, wie er nicht nur die Liebe Gottes in den Mittelpunkt stellt, sondern selber viel von der Güte, Freundlichkeit und Weisheit Gottes ausstrahlt;
- wie Papst Benedikt im Konzerthaus aufgerüttelt hat mit der Forderung nach „Entweltlichung“ der Kirche. Es erinnert mich an Worte Kentenichs wie: „sinngemäße juristisch-organisatorische Machteinschränkung und Entmachtung“; „Zurückdrängung … der Überbetonung des Menschlichen, ob es sich dreht um Gesetze, die wir uns selber gegeben, … ob es sich dreht um die Abhängigkeit vom Staate“; „Geöffnetsein bis zum äußersten für das Göttliche, für den Heiligen Geist“;
- dass Papst Benedikt sich einen großen zweiten ökumenischen Fortschritt vorstellen kann (nach der ökumenischen Öffnung in Folge der Nazizeit), wenn sich die Konfessionen gemeinsam der Herausforderung des Säkularisierungsdruckes stellen durch einen „neu gedachten und neu gelebten Glauben“. (Ansprache im Augustinerkloster Erfurt);
- wie Papst Benedikt vor dem Bundestag eine Lanze gebrochen hat dafür, dass aus dem Sein das Sollen folgt. Er hat die Bedeutung dieser Wahrheit und die Dramatik ihres Verlustes aufgezeigt. Für Kentenich war das eine Grundsäule seines Denkens und eine der drei Haupterkenntnisquellen des Willens Gottes. (Sein, Zeit und Seele)
Andererseits bin ich enttäuscht,
- dass Papst Benedikt einfach schweigt zu dem, was so viele Menschen ihn dringend fragen (wie Wiederverheiratete)
- dass er in der Ökumene keine Anstöße nach vorne gegeben hat (wie es sein Vorgänger tat, woran er dankbar und gern erinnerte)
- dass er den Dialogprozess der deutschen Kirche nicht bestärkt, ihm keinen Schub gegeben hat (außer der Bemerkung bei der Eucharistie in Freiburg, Demut mache Gesprächsprozesse fruchtbar)
- dass das Thema „Wo Gott ist, da ist Zukunft“ fast nur verbal wahrnahm. Ich vermisste die Dynamik nach vorne.
Aktualisiert am 29. September 2011


