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Glut des Glaubens

Wie gelingt es, die Glut unseres Glaubens, die so oft von der Asche des Alltags verdeckt wird, neu zum Lodern zu bringen?
Wie gelingt uns in Kirche und Gesellschaft ein Blick nach vorne, eine Perspektive des Frühlings?

Erzbischof Robert Zollitsch

Ich klage die Kirche nicht an.

Ich habe einen Film gemacht über die Krise eines Papstes als Mensch.

 

Zum neuen Film von Nanni Moretti:

„Habemus Papam – Ein Papst büxt aus“.


Als hinge über ihnen das Damoklesschwert des Richters in den Fresken der Sixtinischen Kapelle, so wählen die Kardinäle einen neuen Papst. Mit inbrünstigen Gebeten: Nicht ich, Herr!
Man hatte einen anderen Film von Nanni Moretti erwartet: Kardinäle, die machtversessen ihren Kandidaten durchsetzen. Einen Skandalfilm über Finanzaffären des Vatikans, Seilschaften, Intrigen, sexuellen Missbrauch und das Vertuschen von alldem. Doch Moretti – Atheist („der Glaube hat mich verlassen“) mit „großer Distanz“ zur katholischen Kirche; keine Liebe zu ihr aber auch ohne Hass auf sie – wollte nicht drehen, worüber sich schon viele ausgelassen haben. Was er zeigen wollte: „meinen Vatikan, meine Kardinäle und meinen Papst …, wie ich sie mir vorstelle“, seine Vision von Kirche, mit Humor, fernab der Realität.

Der Neugewählte – gespielt mit Herzlichkeit und menschlicher Wärme von Michel Piccoli (der persönlich nicht an Gott glaubt) – bringt kaum sein „Si“ zur Annahme der Wahl über die Lippen. Im Moment, als Hunderttausende seinen Namen hören und sein Gesicht sehen wollen, gerät er in Panik, schreit auf und lauft buchstäblich davon. „Ich wollte einen Menschen porträtieren, der vor der absoluten Macht zurückschreckt, unter Selbstzweifeln leidet und befürchtet, den Ansprüchen nicht genügen zu können. Kein Stellvertreter Gottes auf Erden, sondern ein in den Strukturen des Vatikans verlorener Mann mit einer inneren Leere.“

Kurz darauf: der Balkon auf dem Petersplatz, zu dem alle gebannt aufblicken, ist leer, „für mich ein zentrales Bild des Films.“ Der Vorhang, der das Mysterium verhüllt und zeigt, wird vom Wind sanft bewegt. Es zeigt sich: ein schwarzes Loch als Zentrum der Kirche.

Am Ende tritt er doch vor die Massen. Er hat seine Souveränität wieder gefunden. Mit bewegender Menschlichkeit und großer Freiheit entschuldigt er sich und verkündet er: “Ich schaffe das nicht” – “Non ce lo faccio”.

Das also ist die Vision Kirchenferner und Nichtglaubender: ein „Unfehlbarer“, der Selbstzweifel kennt; eine Kirche, die ihre Unzulänglichkeiten zeigt, zu ihren Ängsten steht, ihre Grenzen aufzeigt, ihr Fehlverhalten benennt und bekennt, ihr Scheitern gesteht. Eine demütige Kirche, von der die Menschen sagen können: Das ist meine Kirche!

Aktualisiert am 15. Dezember 2011

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